Immatics Aktienkurs
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Immatics Aktienkurs reagiert auf klinische Studie


(im Bild: Harpreet Singh, CEO Immatics)

Ein Beitrag von Dr. Matthias Kromayer
General Partner der MIG Capital AG

„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
(Albert Einstein zugeschrieben).

 

Hätte sich der weltberühmte Physiker für Aktien interessiert, er wäre kaum darum herumgekommen, auch die Unvorhersehbarkeit des Börsengeschehens als unendlich zu bezeichnen. Gut 400 Jahre seit Entstehen der ersten Börse, der Amsterdam beurs, sind Analysten, Prognoseprogramme und Kleinanleger immer noch genauso überfordert wie Kristallkugelleser, wenn sie voraussagen sollen, wie „der Markt“ auf Ereignisse und Meldungen von Unternehmen reagieren wird.

 

Irgendwo auf dem Globus bricht eine lokale Krise aus, und wir informierten Laien glauben, der Markt würde einbrechen. Was passiert? Kluge Investoren wittern Chancen in Sektoren, an die wir gar nicht gedacht hätten, und die Kurse steigen. Ein großer Tech-Konzern meldet gute Quartalszahlen, und alle rechnen mit einem Börsenplus. Fehlanzeige: Ein Großinvestor hat mit noch besseren Zahlen gerechnet, verkauft aus Enttäuschung und schickt die Aktie auf Talfahrt. So weit, so wenig vorhersehbar. Aber immer noch verständlich. Das MIG-Portfoliounternehmen Immatics (Nasdaq: IMTX) meldet außergewöhnlich gute Zwischenergebnisse einer wichtigen klinischen Studie. Und der Markt: zuckt. Kurz nach oben, und dann schnell wieder nach unten. Für unseren gesunden Menschenverstand nicht nachvollziehbar.

 

Algorithmen und Shortseller beeinflussen Immatics Aktienkurs

 

Wenn man genauer hinschaut, ist das Börsengeschehen von noch viel mehr Faktoren bestimmt als vom „Sentiment“, also der berüchtigten „Stimmung“ am Markt. An der Börse agieren neben professionellen Investoren, Glücksrittern, Spekulanten und Kleinanlegern vor allem auch Computer. Sie handeln automatisiert und nutzen komplizierte Algorithmen, um in Sekundenbruchteilen Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. An manchen Handelstagen macht algorithmic trading die Hälfte des Börsenumsatzes aus. Natürlich können die Maschinen nicht immer erkennen, ob eine Meldung positiv ist oder nicht. Sobald Dynamik in eine Aktie kommt, müssen sie trotzdem handeln. Oft verkaufen sie, einfach um Gewinne mitzunehmen.

 

Eine weitere große Macht an den Börsen bilden die Short Seller. Anders als die klassischen Long Investoren profitieren sie nicht von steigenden, sondern von fallenden Kursen. Das funktioniert nach einem ebenso einfachen wie risikoreichen Schema.

 

Der Short Seller leiht sich Aktien zum aktuellen Preis, z.B. 10 Aktien zu 100 Euro. Dafür bezahlt er dem Verleiher eine Leihgebühr in Höhe von 10 Euro. Diese Aktien verkauft er sofort wieder und erlöst 1.000 Euro. Eine Weile später ist der Aktienkurs auf 80 Euro gesunken. Der Short Seller kauft sich für 800 Euro 10 Aktien und gibt sie dem Verleiher zurück. Die Differenz, 200 Euro, behält er – das sind 1.900 % Rendite für 10 Euro Einsatz, und das in wenigen Tagen oder Wochen! Sein Risiko liegt darin, dass der Kurs auch z.B. auf 120 Euro steigen kann. Dann muss er zusätzlich zur Leihgebühr 200 Euro aufwenden, um die Aktien zurückzukaufen. Ergebnis: -2.000 % Rendite auf seine 10 Euro Einsatz, nach oben offen!

 

Langfristig zählen die inneren Werte

 

Diese Wetten gegen eine Aktie sind so alt wie die Börse selbst und in vielen Ländern erlaubt. Sie können manchmal die scheinbar widersprüchlichen Reaktionen des Markts erklären. Viel wichtiger als die fast schon irrational wirkenden Ausschläge des Börsenkurses sind für die Anleger der MIG Fonds im Fall von Immatics aber die Fundamentaldaten. Und die haben es in sich.

 

In der genannten Studie behandelte Immatics 16 Krebspatienten mit einer neuartigen Zelltherapie. Bei 15 von ihnen führte sie zu einer sogenannten Kontrolle der Krankheit, d.h., die Tumoren hörten auf zu wachsen oder gingen sogar zurück. Die Ansprechrate, also der Anteil der Patienten, bei denen der Tumor „objektiv“ (d.h. um mehr als 30 %) schrumpfte, betrug 50 %. Dafür, dass die Patienten weitgehend austherapiert waren, ist das ein beeindruckendes Ergebnis, das es mit Zelltherapeutika in soliden Tumoren noch nicht gegeben hat. Dabei hat das Tübinger Unternehmen die höchste geplante Dosis noch gar nicht erreicht. Warum Immatics Aktienkurs nach den wirklich überraschend guten Daten nicht nachhaltig stieg? Früher hätte man gesagt: Weiß der Kuckuck. Heute wohl besser „weiß der Short Seller“ oder eben „der Algorithmus“.

 

Langfristig sollten die beeindruckenden Daten den inneren Wert des MIG-Portfoliounternehmens erhöhen. Spätestens wenn weitere Daten dazukommen, wenn Immatics z.B. zeigen kann, dass Patienten langanhaltend auf die neue Therapieform ansprechen, könnte sich der Kurs auf einem höheren Niveau stabilisieren. Und das könnte man dann mit der unendlichen Einsicht der Menschen erklären.

25. November 2021 | Foto: Immatics

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