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Wie Digital Health starke Impulse erhält


MIG Fonds und die Corona-Krise. Nachfolgend ein Kommentar von Boris Bernstein, Venture Partner der MIG AG.

Die Corona-Krise hat in den vergangenen Wochen enorme Auswirkungen auf unser Leben gehabt. Wir haben uns auf eine neue Privat- und Arbeitswelt einstellen müssen. Für viele Unternehmen, beispielsweise im Einzelhandel, der Touristik oder in der Gastronomie, sind die Auswirkungen teilweise existenzbedrohend.

Für andere ist der Moment gekommen, in dem sie aus einem Nischendasein herausbrechen können.

Eine dieser Branchen ist die digitale Gesundheit. Was sollen Menschen tun, wenn der Arzt- oder Krankenhausbesuch Risiken birgt? Wie soll man Therapien fortsetzen, wenn man den Arzt oder Therapeuten besser nicht mehr sehen sollte? Was ist zu machen, wenn die medizinische Versorgung sowieso an Mangel leidet?

Die Antworten schon in den vergangenen Jahren entstanden und bekommen seit kurzem von der Bundesregierung einen starken Schub. Ihr Name: DiGAs oder digitale Gesundheitsanwendungen/Therapeutika. Das Digitale-Versorgung-Gesetz von Anfang 2020 ermöglicht DiGAs leichtere Zulassung und Erstattung. Ärzte sollen Apps verschreiben. Das Gesetz kommt gerade zur richtigen Zeit, da diese Werkzeuge nun auf erhöhte Nachfrage treffen.

Am direktesten profitieren Angebote für Telekonsultationen. Ein Beispiel ist Teleclinic, einer der deutschen Firmen, die Video Arztbesuche anbietet. Im März meldete das Unternehmen fast 8.000 virtuelle Arztbesuche, 136 Prozent mehr als im Vormonat. Warum sich im Wartezimmer einer Ansteckungsgefahr aussetzen, wenn man über Bildschirm mit einem Doktor kommunizieren kann, so die Idee.

Andere junge Firmen bieten Psychotherapie (Selfapy) bis Physiotherapie (Kaia) an. Weltweit offerieren digitale Gesundheitsunternehmen ihre Tools, um Menschen gerade jetzt bei beschränkter Bewegungsfreiheit zu helfen, teilweise kostenlos. Innoplexus hat ihre Suchmaschine und Analyse Tools Wissenschaftlern zur Entwicklung von Covid-19 Medikamenten zu Verfügung gestellt. Sidekick Health arbeitet mit den Notdiensten in Island, um Covid-19 Patienten besser zu identifizieren und zu Hause zu betreuen. Und es gibt es zahllose weitere Beispiele.

Auch einzelne MIG Portfolio Firmen werden durch Covid-19 beflügelt. Liva aus Dänemark beispielsweise bietet digitales Coaching präventiv und therapeutisch für Diabetiker und Patienten mit Herzrhythmusstörungen an. Solche chronischen Patienten sind Risikogruppen für Vireninfektionen und kommen daher noch mehr in den Fokus. Sehr wichtig heute:

Livas digitale Tools ermöglichen es dem Coach ohne physischen Kontakt Patienten zu betreuen.

Wie viele Unternehmen auch, muss Liva mit Ausgangsbeschränkungen und verzögerten Entscheidungswegen umgehen, aber mittelfristig wird das Geschäft profitieren.

Werden Digital Health Lösungen auch nach COVID-19 eine Daseinsberechtigung haben?

Wir glauben, dass die Menschen und Patienten, die einmal gesehen haben, was die innovativen Lösungen zu bieten haben, diese dann langfristig und nachhaltig nutzen werden. Dies ist der ‚breakout moment‘ der DiGAs, vergleichbar den Geschäftsmodellen wie Airbnb oder Uber, die in der Folge der globalen Finanzkrise 2008/2009 entstanden sind.

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