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MIG Fonds Beteiligung advanceCOR kommt mit neuer Studie dem Exit einen großen Schritt näher


Prof. Dr. Götz Münch, Internist und Kardiologe ist Mitgründer und Geschäftsführer der advanceCOR GmbH, Martinsried, einer Biotechfirma, die personalisierte Herz-Kreislauf-Medikamente entwickelt. Zuvor war er Mitgründer und Geschäftsführer der Corimmun GmbH, die 2012 an Johnson & Johnson verkauft wurde.

Ein Kommentar von Matthias Guth,

Venture Partner der MIG AG 

Vor kurzem hat unser Portfoliounternehmen advanceCor (MIG Fonds 5, 11, 12, 13) eine groß angelegte klinische Studie abgeschlossen und dabei positive Ergebnisse erzielt. 

 

Im Zentrum der Tätigkeit des Biotechnologieunternehmens aus Martinsried steht die Entwicklung eines Medikaments namens Revacept. Revacept ist so konzipiert, dass es bei Verletzungen von Blutgefäßen hilft. Es bildet, vereinfacht gesagt, eine Art inneres Pflaster, wenn die Innenseite von Blutgefäßen, das so sogenannte Endothel beschädigt ist. Bei gesunden Arterien brauchen wir es nicht. Da erkennt der Körper Verletzungen des Endothels und reagiert darauf mit Blutgerinnung, um die Blutung zu stoppen.

Revacept ist so konzipiert, dass es bei Verletzungen von Blutgefäßen hilft. Es bildet, vereinfacht gesagt, eine Art inneres Pflaster, wenn die Innenseite von Blutgefäßen, das so sogenannte Endothel beschädigt ist.

Diese natürliche Blutgerinnung kann jedoch bei Gefäßverkalkung etwa am Herz oder im Gehirn zum Problem werden, wenn dieser Vorgang zur Bildung von Blutpfropfen führt, die dann zum Verschluss eines lebenswichtigen Gefäßes führen. Diese Komplikation ist gerade bei Interventionen am Herzen mit Stentversorgung oder an hirnversorgenden Arterien eine sehr ernste und oft tödliche zusätzliche Gefahr. Patienten können diese Verschlüsse nach eigentlich erfolgreichen operativen Eingriffen im Laufe der ersten Wochen erleiden. Aus diesem Grund erhalten Patienten nach entsprechenden Operationen auch Blutverdünner.  

 

In diesem Zusammenhang kommt Revacept ins Spiel. Revacept kleidet die bei Arteriosklerose oder durch die Operation entstehenden Verletzungen der Blutgefäße von innen aus, repariert und verschließt sie, so dass die Gefahr der Bildung eines Blutpfropfens vermindert wird. So die Idee.

 

Dieses Ziel wurde nun in der erwähnten klinischen Studie an 330 Patienten des Herzzentrums in München zwischen 2018 und 2020 verprobt. Diese aktuelle Studie ergänzt eine frühere Studie mit Revacept an rund 150 Schlaganfallpatienten, die bereits mit positiven Ergebnissen abgeschlossen wurde. Die Patienten erhielten diesmal jeweils vor der Operation eine Spritze mit einer hohen Dosis Revacept, einer niedrigeren Dosis Revacept beziehungsweise einem Plazebo-Präparat ohne Wirkung. Wie bei allen hochwertigen klinischen Studien waren die Qualitätsmerkmale doppelt blind, Placebo kontrolliert, randomisiert und multizentrisch erfüllt. Bei den 330 Eingriffen handelte es sich um Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit, die jeweils über einen Katheter Stents implantiert bekommen haben. „Stabil“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass bei den Patienten zwar ein Stent notwendig war, aber kein akuter Herzinfarkt oder ähnliches vorlag.

 

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Revacept im Rahmen des operativen Eingriffs auf die verletzte Stelle setzt und die Wirkung eines „Pflasters“ erzeugt. Die gewünschte Hemmung auf die Blättchenfunktion im Blut der Patienten war nachweisbar. Das zweite erfreuliche Aspekt: Revacept wurde sehr gut vertragen, es kam zu keinen zusätzlichen Blutungen. Beim Einsatz von Revacept wurde also bewiesen, dass dieses Medikament sowohl wirksam als auch ohne Nebenwirkungen ist.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Revacept im Rahmen des operativen Eingriffs auf die verletzte Stelle setzt und die Wirkung eines „Pflasters“ erzeugt.

Ein drittes mögliches Ergebnis konnte allerdings nicht nachgewiesen werden. Da von den 330 Patienten nur ein minimaler Teil eine Schädigung des Herzmuskels (Infarkt) nach der Stent-Operation erlitt, war nicht ersichtlich, ob Revacept dieses Risiko konkret minimieren konnte. Das erreichen dieses „primären Endpunktes“, wie es in der Fachsprache heißt, müssen künftige Studien mit Revacept belegen. Hierfür muss Revacept bei Herzoperationen mit deutlich höherem Risiko auf anschließende arterielle Thrombosen getestet werden. Dies ist beispielsweise bei akuten (Myokard)-Infarkten der Fall.

 

Die sichere und effektive Anwendung von Revacept bei Patienten mit Stent-Operationen ist dennoch ein großer Schritt auf dem Weg von Revacept zur Zulassung. Dem Management von advanceCOR und uns als Investor ermöglicht es einen neuen Fahrplan. Ziel ist es nun, nach einer weiteren Finanzierungsrunde im kommenden Jahr das biotechnologische Start-up anschließend an einen Pharmakonzern abzugeben, der mit diesem Ansatz seine Innovationspipeline stärken kann.

 

Artikel vom 08. Dezember 2020 | Foto: advanceCOR

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