Meilenstein für Isarna
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It’s a milestone, stupid!


Ein Beitrag von Dr. Matthias Kromayer
General Partner und Vorstand der MIG AG

„Jede große Reise beginnt mit einem kleinen Schritt.“
„Es ist besser, mit kleinen Schritten das Ziel zu erreichen, als sich bei einem großen Sprung die Beine zu brechen.“

 

Diese Weisheiten kennen und beherzigen wir alle. Aber irgendwann will und muss man auch mal ankommen. Wenn noch nicht am Ziel, dann zumindest an einem Meilenstein.

 

Einen solchen Meilenstein hat ISARNA jetzt erreicht. Das MIG-Portfoliounternehmen aus München hat die Genehmigung für die erste Phase-II-Studie seines Leadprodukts erhalten. Das ist keineswegs trivial und hätte bei einem börsennotierten Unternehmen eine ad-hoc-Mitteilungspflicht ausgelöst. ISARNA prüft nämlich in der Studie ein völlig neuartiges Medikament in Indikationen, die „eigentlich“ von fest etablierten Arzneimitteln dominiert werden. Patienten mit sogenannter altersbedingter Makuladegeneration (AMD) und diabetischem Makulaödem (DME) sind zumindest aus kommerzieller Perspektive gut versorgt: Bayer und Novartis haben zwei Blockbuster zur Behandlung dieser Erkrankungen auf dem Markt, Roche drängt ebenfalls hinein. Warum sollten Ärzte ihre Patienten also mit ISARNAs neuem Medikament behandeln?

 

Meilenstein für ISARNA und Patienten

 

Dafür gibt es zwei gute Gründe: Erstens helfen die etablierten Medikamente nur vorübergehend. Entscheidend ist die Sehschärfe. Diese wird ganz einfach in „Buchstaben“ gemessen, wie wir es vom Augenarzt oder Optiker kennen. Viele AMD- und DME-Patienten verlieren trotz wiederkehrender Injektionen langsam, aber sicher, einen Buchstaben nach dem anderen – bis zu 15 Buchstaben trotz Dauertherapie. ISARNAs Medikament hingegen scheint – nach allen Ergebnissen der Tierstudien – nicht nur kurzfristig zu wirken, sondern bringt alle Voraussetzungen für einen zusätzlichen langanhaltenden Effekt mit. Es hat in mehreren Krankheitsmodellen eindeutig gezeigt, dass es den für die Vernarbung von Gewebe im Augenhintergrund ursächlichen molekularen Übeltäter zuverlässig und nachhaltig ausschaltet und die Vernarbung verhindern kann. Übrigens, indem es dessen mRNA zerstört – womit wir bei einer anderen aufsehenerregenden Investition der MIG Fonds sein könnten, die aber heute nicht das Thema sein soll.

 

Das zweite Motiv für die Augenärzte ist, dass die etablierten Medikamente jeden Monat von neuem verabreicht werden müssen. Mit ISARNAs Kandidaten hingegen könnte das künftig nur alle drei Monate nötig sein, vielleicht sogar noch seltener. Das würde für Ärzte, Patienten und zuletzt Kassen einen weiteren Gewinn bedeuten.

 

Management glaubt an den Erfolg

 

ISARNA will nun also die Ergebnisse ihrer Tierversuche beim Menschen bestätigen. Das Medikament soll an 48 Patienten in spezialisierten Kliniken in Österreich und Indien getestet werden. Dafür haben die MIG Fonds 2, 4 und 6 zusammen mit einem Koinvestor (der die Hälfte beisteuerte) an einer 2,5-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde teilgenommen. Damit ist die Studie nach heutigem Plan durchfinanziert. Für eine Phase-II-Studie ist das ein ungewöhnlich niedriger Betrag. Wie ISARNA das schaffen soll? Nun, den Mitgliedern des Managements ist es gelungen, wichtige Fremdleistungen zum Vorzugspreis zu erhalten. Und: Sie investieren selbst in erheblichem Umfang mit, nämlich den Großteil ihres eigenen Honorars. Im Erfolgsfall profitieren sie ebenso wie die MIG-Anleger von der Wertschöpfung.

 

Können wir heute schon feiern? Auf keinen Fall. Wie gesagt, bislang ist nur ein Meilenstein für ISARNA erreicht. Aber wenn die jetzt beginnende Studie am Ende erfolgreich ist (was wir bis Ende nächsten Jahres erfahren werden) werden die großen Player der Augenheilkunde – das Wortspiel sei erlaubt – große Augen machen. Denn dann wäre ISARNAs Medikament plötzlich ein heißer Kandidat auf einem attraktiven Markt.

 

Am Ende einer langen, wechselhaften Reise könnte eine strategische Transaktion stehen, also ein Verkauf oder eine Lizenz. Bis dahin ist es aber noch ein Stück Weg. Und den sollen wir bekanntlich mit kleinen Schritten gehen. Beim letzten könnte es dann heißen: „Ein kleiner Schritt für Isarna, ein großer für die MIG Fonds“.

7. Juli 2021 | Foto: Unsplash

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