Dr. Matthias Kromayer, Investment Manager und Vorstand der MIG Verwaltungs AG
Statements

Deutscher Krebspreis 2019 an Ugur Sahin


Prof. Ugur Sahin, Gründer und CEO der BioNTech AG, Mainz, eines Portfoliounternehmens der MIG Fonds 7,8 und 9, erhält den Deutschen Krebspreis 2019. Nachfolgend der Kommentar von Dr. Matthias Kromayer, General Partner der MIG AG:

Mit Preisen und Auszeichnungen ist das so eine Sache: Oft gehören sie in die Rubrik „Science Fiction“ und werden an Wissenschaftler vergeben, die jahrzehntelang an den Grundlagen ihres Fachs gearbeitet haben. In der Laudatio wird dann gerne darauf hingewiesen, dass die ausgezeichnete Forschung durchaus auch eine praktische Relevanz habe – auch wenn der konkrete Nutzen für die Menschheit noch Jahrzehnte in der Zukunft liegt. Andere Forscher werden geehrt, weil sie eine spezifische Anwendung realisiert haben. Ob diese wissenschaftlich neu oder gar bahnbrechend ist, bleibt gerne mal unerwähnt.

Beim Deutschen Krebspreis ist das anders: Er wird seit 1987 in zwei und seit 2003 in drei eindeutigen Kategorien vergeben: Für „experimentelle onkologischen Grundlagenforschung“, „Transferforschung“ sowie „Tumordiagnostik und -behandlung“. Jede ist gleichermaßen ehrenwert, und die Liste der Preisträger ist beeindruckend. Harald zur Hausen, Erfinder der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, wurde 2006 ausgezeichnet; zwei Jahre später erhielt er den Nobelpreis für Medizin. Axel Ullrich wurde 1998 geehrt, ein Jahr bevor das von ihm gegründete Biotechunternehmen Sugen für 650 Mio. US$ verkauft wurde. Sutent, so der Name des von Ullrich miterfunden Medikaments, wurde 2006 zur Vermarktung zugelassen und erzielte schnell mehr als 1 Mrd. US$ Umsatz pro Jahr.  Beides sind hervorragende, aber seltene Beispiele für den erfolgreichen Transfer von der Laborbank über das Krankenbett in den Markt.

Dass dieses Jahr Ugur Sahin geehrt wird, kann niemanden überraschen. Sein Vorhaben darf man getrost als die mutigste Idee in der Krebsmedizin seit Jahrzehnten bezeichnen: Er will für jeden Krebspatienten eine maßgeschneiderte, hochwirksame, verträgliche und bezahlbare Immuntherapie auf den Markt bringen. Diese Herkulessaufgabe mit wissenschaftlicher Exzellenz, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit anzugehen, verdient allein schon einen Preis. Dabei gleichzeitig eine große universitäre Arbeitsgruppe zu leiten, ein translationales Exzellenzzentrum auf die Beine zu stellen und das größte privat gehaltene Biotechunternehmen Europas aufzubauen und zu führen, würde einen weiteren Preis rechtfertigen.

Unternehmerisch gesehen aber ist die größte Leistung, dies alles finanziert zu bekommen. Dazu hat Ugur Sahin Millionen an öffentlichen Forschungsgeldern eingeworben, das stärkste Investorenkonsortium zusammengestellt, das jemals ein europäisches Biotechunternehmen finanziert hat, und noch mehr Geld von Pharmakonzernen ausgehandelt, damit sie sich an seinen Projekten beteiligen dürfen.

Auf all dies kann Prof. Sahin zu Recht stolz sein. Und wir als Manager, Vermittler und Anleger der MIG Fonds dürfen ruhig auch wenig stolz sein. Immerhin haben wir Ugur Sahin die allererste Finanzierung ermöglicht. Ohne diese wäre sein Vorhaben wohl Science Fiction geblieben.

 

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