Mig Fonds Gespühr
Statements

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Start-up Szene


Nachfolgend ein Kommentar von Michael Motschmann, General Partner der MIG AG.

Vergangene Woche hat die Bundesregierung beschlossen, in der aktuellen Corona-Krise auch über die Start-up Industrie einen Schutzschirm von zwei Milliarden Euro zu spannen. Dieses Geld ist Teil eines Programms von zehn Milliarden Euro, das über die KfW der deutschen Gründerszene zur Verfügung gestellt werden soll.

Diese richtige Entscheidung hat jedoch Schönheitsfehler. Das bis dato kommunizierte Programm ist auf den ganz überwiegenden Teil der mit Venture Capital finanzierten Firmen wahrscheinlich nicht anwendbar.

Wir stehen vor Herausforderungen, die nicht einfach mit einer vermeintlich großen Zahl zu lösen ist, sondern nur mit Programmen, die auf die Basischarakteristiken der einzelnen Unternehmen zugeschnitten sind.

Zudem brauchte die Politik wesentlich länger, die Notwendigkeit der Soforthilfen für die Start-up Wirtschaft zu erkennen als bei anderen Wirtschaftssektoren. Erst der öffentliche Druck hat zu dieser Entscheidung geführt, um das besonders gefährdete Biotop der jungen Firmen zu schützen. Dies führt mich zu der Schlüsselfrage:

Wie wichtig ist der Politik in Deutschland die Gründung neuer Firmen?

Schon lange nicht mehr hatten Bundesregierung und andere wirtschaftspolitische Institutionen eine derart große Steuerungsmacht als heute. Durch die notwendigen und richtigen Hilfspakete als Folge der Corona-Pandemie werden die Weichen für die Zukunft in den kommenden Monaten gestellt. Wem greift die Politik unter die Arme, um gegebenenfalls sogar gestärkt aus der Krise heraus zu kommen und wem nicht?

Die Befürchtung lautet: Zu einem weit überwiegenden Teil kommen die Hilfen den falschen Unternehmen und Wirtschaftsbereichen zu Gute. Werden jetzt Firmen am Leben gehalten, die sorglos in der Vergangenheit waren und keine Reserven aufgebaut haben? Oder Unternehmen, deren reife Geschäftsmodelle und Produkte die beste Zeit hinter sich haben und bei denen die staatlichen Finanzmaßnahmen allenfalls das Siechtum verlängern?

In der Nach-Corona-Zeit wird sich weltweit ein ungeheurer Strukturwandel vollziehen.

Viele traditionelle Wirtschaftszweige werden sich nur noch bedingt erholen. Nicht nur der Luftfahrtindustrie, der Touristik- und Hotelbranche oder den Herstellern von Luxusgütern stehen harte Zeiten bevor. Auch die Versicherungswirtschaft, die Automobilindustrie und die Öl- und Gasindustrie dürften nach Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey auf längere Sicht geschwächt bleiben. Gleichzeitig ergeben sich große Chancen für digitale Geschäftsmodelle wie den Onlinehandel (Amazon), die Telemedizin sowie alle Formen von „Remote“-Dienstleistungen. So gesehen kann der Corona-Schock durchaus heilsam sein.

Deutschland hat bislang den Wandel von den Industrien des 20. Jahrhunderts zu den Geschäftsmodellen des 21. Jahrhunderts nur zögernd vollzogen. Unser Wohlstand ist langfristig deshalb gefährdet. Wenn wir jetzt die in Deutschland und Europa aufgelegten Hilfspakete nicht nur zur Stützung des Alten, sondern auch zur Entwicklung des Neuen einsetzen, würde das der Beschleunigung der Transformation unserer Volkswirtschaft einen enormen Impuls verleihen.

WEITERE THEMEN FÜR SIE