Affiris China
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Affiris und der Ferne Osten


Ein Beitrag von Dr. Matthias Kromayer
General Partner der MIG Capital AG

Seit Jahrhunderten machen sich Europäer auf den Weg gen Westen, wenn zuhause die Ressourcen knapp oder die Bedingungen zu beschwerlich werden. In die entgegengesetzte Himmelsrichtung zog es traditionell eher die neugierigen Abenteurer, die wie Marco Polo, Heinrich Harrer und Richard Gere fernöstliche Lebensweise, Staatskunst und Spiritualität erkunden wollten. Das hat sich in den vergangenen 20 Jahren gewaltig geändert. Mit dem unaufhaltbaren Aufstieg der neuen Supermacht China verschieben sich nicht nur die geopolitischen Machtverhältnisse. Auch die technologische Innovationskraft chinesischer Unternehmen hat rasant zugenommen. Noch vor einer halben Generation waren chinesische Unternehmer hauptsächlich darauf erpicht, westliche Produkte einfach zu kopieren. Was uns oft dreist erschien, war aus der Not geboren – wie sonst hätten sie Zugang zu Technologien erlangt?

 

Darüber hinaus – und das ist sicher noch wichtiger – behält Affiris die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte für den Rest der Welt und darf die Daten aus China für die eigene Entwicklung verwenden.

 

Drei Faktoren machen China inzwischen zu einer technologischen Top-Nation und damit zu einem attraktiven Partnerland für europäische Tech-Unternehmen: Erstens die zentral angelegten, vom Staat quasi „verordneten“ Forschungs- und Entwicklungsprogramme. Zweitens die fast unerschöpfliche Verfügbarkeit von Börsenkapital – zum überwiegenden Teil übrigens von Privatanlegern, die wie die MIG-Anleger ein viel größeres Bewusstsein für die Chancen privaten Beteiligungskapitals haben. Und zuletzt bringt die jüngste Generation von Rückkehrern, vor allem aus den USA, eine beeindruckende Mischung aus wissenschaftlich-technologischem Verständnis, Geschäftssinn und Bestimmtheit ins Land. Eine ihrer Strategien ist, sich die Rechte an innovativen Konzepten und Produkten aus dem Westen für den chinesischen Markt zu sichern und die Produkte dann für China fertig zu entwickeln. Für die Erfinder der Technologien ist das ebenfalls ein Gewinn, denn ausländische Firmen können zum Beispiel Arzneimittel in und für China gar nicht entwickeln.

 

Affiris findet Partner in China

 

So war es auch für das MIG-Portfoliounternehmen Affiris aus Wien eine höchst attraktive Option, für die Weiterentwicklung seines möglicherweise bahnbrechenden PCSK9-Programms einen chinesischen Partner zu gewinnen. Frontier Biotech ist ein innovationsgetriebenes Biotechunternehmen, seit 2020 an der Shanghaier Börse notiert (688221.SH). Frontier wird den Impfstoff gegen „böses“ LDL-Cholesterin in China entwickeln und im Erfolgsfall im chinesischen Markt vertreiben. Dafür leistet es, wie in der Branche üblich, Upfront-, Meilenstein- und Provisionszahlungen auf erzielte Umsätze. Bei Affiris schafft dieser Deal einen gewissen Zufluss an frischem Kapital, ohne dass die bestehenden Aktionäre wie die MIG Fonds in ihrer Beteiligung verwässert würden. Darüber hinaus – und das ist sicher noch wichtiger – behält Affiris die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte für den Rest der Welt und darf die Daten aus China für die eigene Entwicklung verwenden. Wenn man annimmt, dass der chinesische Markt rund 10-15 Prozent des globalen Gesamtmarkts ausmacht, verbleibt also Affiris ein 7-10-mal größeres Paket zur weiteren Kommerzialisierung. Damit kann Affiris zu gegebener Zeit versuchen, die Rechte für den Rest der Welt an ein großes Pharmaunternehmen zu verkaufen, im Idealfall, sobald die chinesischen Partner den nächsten Meilenstein der Entwicklung erreicht haben.

 

Damit wäre nach dem Verkauf des Parkinson-Impfstoffprogramms an die Schweizerische AC Immune im vergangenen Herbst das zweite wichtige Forschungsprogramm der Affiris in einem sicheren Hafen angelangt. Für die MIG-Anleger noch nicht der erhoffte Exit, aber der Schritt in die richtige Richtung – und die liegt hier offensichtlich im Osten!

14. Februar 2022 | Foto: HMW

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